JEAN PAUL GAULTIER  | LE BEAU



L'ENFANT TERRIBLE DE LA MODE
(DAS ENFANT TERRIBLE DER MODE)

Zwischen Uniform der Masse und traumhaftem Showcase spektakulärer Modenschauen ist Jean Paul Gaultier weiterhin überzeugt, dass die Mode stets ihren besonderen Stellenwert bewahren wird: „Es ist ein Bedürfnis der visuellen Anerkennung, wenn nicht gar des visuellen Anspruchs.“ Doch weigert sich der Modemacher, mit dem Label Politiker oder Provokateur versehen zu werden. Dieser Mensch voller Überzeugungen definiert sich eher als Protestler. Der militante Bilderstürmer stellt Klischees, Normen, Codes, Konventionen und Traditionen systematisch infrage. Dabei verfremdet, verschiebt, zerstört er sie und verkehrt sie ins Gegenteil, um sie auf diese Weise neu zu erfinden.

JEAN PAUL GAULTIER
LE BEAU





       „ICH BETRACHTE DIE DINGE GERNE AUS 
EINEM UNGEWÖHNLICHEN BLICKWINKEL UND STELLE DAS ERWARTETE INFRAGE.“
                                                                                 
                                                                                                               JEAN PAUL GAULTIER





IM GARTEN VON GAULTIER
IM GEISTE DER ALLGEGENWÄRTIGEN UNMORAL 

Eines Morgens betrat Jean Paul Gaultier seine Fabrik. Sie war groß, laut, lebendig. Er sah die Frauen, er sah die Männer. Und seine Gedanken wanderten zu einem angenehmen Zeitvertreib. Und er dachte: „Frauen und Männer sollten Zeit miteinander verbringen, und es ist gut.“

Am ersten Tag schuf er einen Garten. Der Garten war magisch und bezaubernd, und im Geiste der allgegenwärtigen Unmoral! Am zweiten Tag schuf er La Belle und Le Beau. Geboren aus JPG Classique und Le Mâle, aber splitternackt wie an ihrem ersten Tag auf dieser Erde. Und ihnen ist nicht einmal kalt! Am dritten Tag schuf er die herrlichsten, göttlichsten und köstlichsten Sünden... Am vierten Tag ruhte er. Die Party in seinem Garten war in vollem Gange. Alle waren voller Entdeckungs- und Abenteuerlust mit sich selbst und am anderen. Und es duftete göttlich!
DIE FLAKONS
GESCHAFFEN, UM UNS IN VERSUCHUNG ZU FÜHREN

Jean Paul Gaultier schuf den Flakon von La Belle – und der Flakon erschien. In der Gestalt eines weiblichen Torsos. Er war rot, in Rosa getaucht, und strahlte Tugend aus, samt lasziver Zügellosigkeit. Um den Hals schmiegten sich goldene Rosen zu einer Halskette, eine sittsame Hülle, die nur als Einladung dient, die verlockende Enthüllung zu vollziehen. Dann schuf Jean Paul Gaultier den Flakon von Le Beau – und der Flakon erschien. In der Form eines nackten Torsos. Er war grün und schimmerte. Ein goldenes Rebenblatt dort, wo der Blick verweilen mag. Jean Paul Gaultier sah die exquisiten Torsi und sprach: „Diese beiden wurden geschaffen, um uns in Versuchung zu führen!“ - Und es geschah.
DIE UMVERPACKUNG 
ALLES - UND NICHTS

Jean Paul Gaultier schuf die Umverpackung von La Belle – und diese erschien im Garten. Sie war in lieblichstem Grün, fast mandelartig, und fügte sich perfekt in das Blattwerk dieses modernen Edens ein. Die goldenen Letter leuchteten, und es war derart verlockend die Früchte zu berühren – und es war nicht einmal verboten! Jean Paul Gaultier schuf die Umverpackung von Le Beau – und diese erschien am Fuße eines Busches. Sie war smaragdgrün, so dunkel, eine Erinnerung an die Üppigkeit dieser Welt. Die goldenen Lettern schimmerten wie der Honig der ersten Versuchung. Jean Paul Gaultier sah die beiden provokanten, erotischen Verpackungen und sprach: „Die Gestaltung ist alles – und nichts!“ Und so war es.


DIE DÜFTE 
FÜR IMMER UND EWIG

Jean Paul Gaultier öffnete die Verpackung von La Belle, entnahm den Flakon und atmete tief den Duft des Parfums ein. Er roch orientalische Vanille, gleichsam so frisch, kühler Balsam für die Seele. Er roch Vetiver, getragen vom wundersamen Duft einer Frucht, der Birne. Jean Paul Gaultier öffnete die Verpackung von Le Beau, schloss die Augen und atmete ein - bitte keine Zurückhaltung. Der Duft des Kokosnussholzes lud zu tiefer Entspannung ein, Bergamotte und Tonkabohne flüsterten ihm zu, dass Faulenzen die erfrischendste aller Sünden sei. Jean Paul Gaultier atmete beide Düfte zusammen ein und sprach: „Sie passen gut zueinander. Für immer und ewig.“ Und so war seine Welt geschaffen.



PARFUMEURE  
BETÖRT VOM NEUEN LAND

Quentin Bisch und Sonia Constant teleportierten sich in Gaultiers Garten. Wie es so ihre Art ist, gingen sie ganz in dieser speziellen, wohltuenden und exotischen Welt auf. Diese beiden, die die Welt voller Entdeckungslust erkunden und so gut kennen, kehrten zurück, betört vom Neuen Land, und ließen La Belle und Le Beau einen besonderen Platz in ihrem Herzen. Denn wie wir wissen, ist das Herz der Nase niemals fern.